ETF-Rentenversicherung vs. ETF-Sparplan — Was lohnt sich mehr?
ETF-Sparplan oder fondsgebundene Rentenversicherung mit ETFs? Wir vergleichen Kosten, Steuern und Flexibilität beider Vorsorgewege.
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Die Medien warnen vor den Kosten des Altersvorsorgedepots. Zu Recht? Ein unabhängiger Makler rechnet nach — mit Vergleichsrechner für Depot, Riester, bAV, Privatrente, Basisrente und ETF.
Seit Bundestag und Bundesrat das Altersvorsorgereformgesetz beschlossen haben, lese ich in jeder zweiten Schlagzeile dieselbe Warnung: Das Altersvorsorgedepot, der Riester-Nachfolger ab 2027, sei zu teuer. Ein Prozent Kosten fresse über 40 Jahre angeblich ein Drittel der Rendite. FOCUS, Verbraucherzentrale, Finanztip, alle schlagen in dieselbe Kerbe.
Ich bin seit über 17 Jahren unabhängiger Versicherungsmakler, und ich verdiene nichts daran, Ihnen ein teures Produkt einzureden. Trotzdem sage ich Ihnen klar: Diese Rechnung ist verkürzt. Wer ihr blind folgt, verschenkt jedes Jahr bares Geld. Was in den meisten Artikeln fehlt, lesen Sie hier.
Ab dem 1. Januar 2027 löst das Altersvorsorgedepot die Riester-Rente ab. Der Bundestag hat das Altersvorsorgereformgesetz am 27. März 2026 beschlossen, der Bundesrat am 8. Mai 2026, seit Ende Mai ist es in Kraft. Bestehende Riester-Verträge können weiterlaufen oder in das neue Modell überführt werden.
Der Kern: ein staatlich gefördertes Depot, in das Sie in ETFs und Fonds investieren. Sie wählen das Garantieniveau selbst (0, 80 oder 100 Prozent), bekommen bis zu 540 Euro Grundzulage und 300 Euro je Kind. Erstmals sind auch Selbstständige förderberechtigt. Für das Standardprodukt gilt ein gesetzlicher Kostendeckel von einem Prozent Effektivkosten. Genau an diesem einen Prozent entzündet sich die ganze Kritik.
Das eine Prozent ist die Decke für das Standardprodukt, nicht der Preis, den Sie zahlen müssen. Wer im geförderten Depot eigene, kostengünstige ETFs bespart, landet bei rund 0,2 Prozent laufenden Kosten. Also ungefähr da, wo auch ein Sparplan beim Neobroker liegt.
Die vielzitierte Finanztip-Rechnung, nach der ein billiger ETF-Sparplan das geförderte Depot schlägt, unterstellt aber genau den schlechtesten Fall: voll ausgereizter Kostendeckel. Vergleichen Sie stattdessen Gleiches mit Gleichem, günstige Variante gegen günstige Variante, steht die Förderung am Ende als geschenkte Rendite obendrauf.
Hier wird die ETF-Romantik unsauber. Ein Sparplan beim Neobroker hat sehr wohl Kosten, sie stehen nur nicht so plakativ in der Schlagzeile.
Da ist erstens die laufende Fondsgebühr. Zweitens die Vorabpauschale: Seit die Zinsen zurück sind, wird Jahr für Jahr ein fiktiver Ertrag besteuert, bevor Sie überhaupt verkauft haben. Das klingt nach Kleinkram, bremst aber genau den Zinseszins, weil das weggesteuerte Geld nicht mehr für Sie arbeitet. Und drittens, der Punkt, den fast jeder unterschlägt: Jede Umschichtung im eigenen Depot ist ein steuerpflichtiger Verkauf. Rebalancing, Fondswechsel, Strategieanpassung, jedes Mal fallen 25 Prozent Abgeltungsteuer plus Soli auf den Gewinn an. Im geförderten Depot läuft das in der Ansparphase steuerfrei. Über 30 oder 40 Jahre ist das kein Rundungsfehler.
Rechnen wir es konkret. Bei 150 Euro im Monat schöpfen Sie den Förderhöchstbetrag aus und sichern sich die volle Grundzulage von 540 Euro. Eine Familie mit zwei Kindern bekommt zusätzlich bis zu 600 Euro Kinderzulage obendrauf, schon ab 25 Euro Sparrate pro Monat und Kind.
Macht im Jahr eins bis zu 1.140 Euro vom Staat auf 1.800 Euro Eigenbeitrag. Das ist eine Förderquote, die kein ETF-Sparplan über einen Zehntelprozentpunkt günstigere Gebühr je aufholt. Dazu kommen 200 Euro Berufseinsteigerbonus für unter 25-Jährige und der Steuervorteil über den Sonderausgabenabzug. (Die genauen Werte regelt die Verordnung zum Standardprodukt, die Eckpunkte stehen.)
Der vielleicht teuerste Faktor taucht in keiner Effektivkostenquote auf: Ihr eigenes Verhalten. Im Eigenbau sind Sie Ihr eigener Portfoliomanager. Die Statistik zum Anlegerverhalten ist seit Jahrzehnten unangenehm eindeutig: Die meisten kaufen oben und verkaufen unten. März 2020, das gesamte Jahr 2022, immer genau dann, wenn Durchhalten zählt, wird das Depot leergeräumt. Diese Verhaltenslücke kostet im Schnitt mehr als ein Prozent im Jahr.
Und dann ist da die Zeit nach 67, die der „ETF ist billiger"-Vergleich konsequent ausblendet. Ein ETF-Depot ist ein Geldhaufen. Es schützt Sie kein bisschen davor, 95 zu werden und mit 92 nichts mehr zu haben. Eine lebenslange Rente kann Ihnen nur ein Versicherer zusagen, weil nur er das Langlebigkeitsrisiko über ein Kollektiv schultern kann. Wer 40 Jahre Kosten gegeneinanderrechnet, die 25 Jahre Auszahlungsphase aber weglässt, rechnet nur die halbe Wahrheit.
Damit das klar ist: Komplett aus der Luft gegriffen ist die Warnung nicht. Ein Förderprodukt mit fetten Abschluss- und Vertriebskosten kann den Fördervorteil tatsächlich auffressen. Dass der Deckel bei einem Prozent liegt und nicht tiefer, ist Luft nach unten. Und einen alten Riester-Vertrag mit niedrigem Mindestbeitrag vorschnell zu kündigen, nur weil etwas Neues kommt, ist meistens ein Fehler.
Nur ist die Konsequenz daraus nicht „Finger weg von der Förderung", sondern: auf die Effektivkosten achten und die richtige Variante wählen. Genau deshalb sollten Sie nicht raten, sondern rechnen.
Rechnen Sie Ihren eigenen Fall durch. Unser Vergleichsrechner stellt Altersvorsorgedepot, Riester, Basisrente, Privatrente, bAV und ETF-Depot mit allen Variablen nebeneinander: Alter, Sparrate, Kinder, Renditeszenario. In zwei Minuten sehen Sie schwarz auf weiß, was sich in Ihrer Situation lohnt.
Wenn ich Förderung, Steuerstundung, die vermiedene Vorabpauschale, die steuerfreien Umschichtungen, den Schutz vor dem eigenen Bauchgefühl und die lebenslange Rente ehrlich zusammenzähle, bleibt wenig, das die private Vorsorge schlägt. Die betriebliche Altersvorsorge nehme ich aus, weil sie betrieblich läuft und stark davon abhängt, was der Arbeitgeber drauflegt.
Der Reflex „kauf einfach einen ETF" ist bequem und macht eine gute Überschrift. Er vergleicht aber Bruttokosten in der Ansparphase und lässt alles weg, was danach kommt. Mein Rat: Nehmen Sie die Förderung mit, halten Sie die Kosten niedrig, und vergleichen Sie das Netto über das ganze Leben. Wer das jetzt aufsetzt, ist zum Start 2027 vorbereitet, statt in die erste Vertriebswelle zu laufen.
Ist das Altersvorsorgedepot wegen der Kosten ein schlechtes Geschäft?
Nein. Der oft zitierte 1-Prozent-Deckel gilt nur für das Standardprodukt und ist eine Obergrenze, kein Festpreis. Mit selbst gewählten ETFs liegen die laufenden Kosten bei rund 0,2 Prozent. Zusammen mit den Zulagen ist das für die meisten deutlich attraktiver als ein ungeförderter Sparplan.
Altersvorsorgedepot oder ETF-Sparplan – was ist besser?
Das hängt von Ihrer Situation ab, aber der reine Kostenvergleich greift zu kurz. Der ETF-Sparplan hat keine Zulagen, zahlt die Vorabpauschale und verursacht bei jeder Umschichtung Abgeltungsteuer. Das geförderte Depot bietet Zulagen, Steuerstundung und auf Wunsch eine lebenslange Rente. Den konkreten Unterschied für Ihren Fall zeigt unser Vergleichsrechner.
Frisst ein Prozent Kosten wirklich ein Drittel der Rendite?
Diese Rechnung gilt nur, wenn der Kostendeckel voll ausgeschöpft wird. Wählen Sie eine günstige Variante, fällt dieser Effekt weg und die staatliche Förderung wirkt in die andere Richtung.
Lohnt sich der Wechsel von meinem alten Riester-Vertrag?
Manchmal ja, manchmal nein. Alte Verträge mit niedrigem Mindestbeitrag können Vorteile haben. Bestehendes Riester-Guthaben lässt sich aber ins Altersvorsorgedepot übertragen, ohne Zulagen oder angespartes Kapital zu verlieren. Wir prüfen Ihren Vertrag, bevor Sie etwas kündigen.
Sie wollen wissen, was sich für Sie rechnet? Als unabhängiger Versicherungsmakler vergleichen wir alle Optionen neutral und begleiten Sie bei der gesamten Umstellung. Kostenlos und unverbindlich.
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